Wie schnell es doch geht, eine Schriftart zu verbrauchen.
Noch vor wenigen Monaten veranlaßte mich eine Headergrafik auf einer (sehr gelungenen!) Website, deren Macher zu kontaktieren und den Namen der dort verwendeten Schriftart zu erfragen. Prompt bekam ich die Antwort und war guter Dinge, die Schrift bei kommenden Projekten einsetzen zu können.
Leider nicht mehr.
Vielleicht habe ich ja auch nur den aufkommenden Trend verschlafen oder verfüge über mangelnde Grundbildung auf dem Sektor der Typografie, jedenfalls scheint ebendiese Schriftart mittlerweile allgegenwärtig zu sein. Es vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht an irgendeiner neuen Stelle auftaucht:
Zunächst noch in Anzeigen von Magazinen (mitunter in 5 verschiedenen Anzeigen in derselben Ausgabe – vermutlich alle vom Herausgeber gesetzt), später auf Schokobonbontüten und Glückwunschkarten, zuletzt gesichtet auf der Verpackung einer Billig-Bettwäsche – mit Rechtschreibfehler als Dreingabe.
Wo früher die Comic Sans den Mangel an Kreativität auszubügeln versuchte, da soll jetzt die Zapfino herhalten, wenn es gilt, dem Stück Massenware ein Hauch von Exquisitem zu verleihen. Riecht zunehmend nach faulem Atem.
Denn so liebevoll die zahlreichen verschiedenen Schriftschnitte ausgeklügelt wurden, um auch längere Schriftzüge wie von Hand geschrieben wirken zu lassen, so wenig Respekt wird ihnen seitens der Design-Dilettanten gezollt: Da wird reingetippt, zack, fertig.
Was eigentlich ein stolzes Werk eines großartigen Typografen ist, verkommt so zum wertlosen Massenartikel. Schade irgendwie.
10.10.2007 ✭ Tags: Typografie ✭ 5 Kommentare