Bill Bryson – Eine kurze Geschichte von fast allem
Aus was besteht die Erde? Und wieviel wiegt sie überhaupt? Und warum um alles in der Welt schleudert uns die Zentrifugalkraft nicht ins All, obwohl die Erde sich mit etwa 1600 Stundenkilometern um sich selbst dreht?
Fragen wie diesen geht Bill Bryson in diesem Buch nach. Bryson, der sich bisher eher einen Namen als Autor von Reiseführern gemacht hat, hat sich als Kind immer gefragt, warum Bücher über Naturwissenschaften immer so entsetzlich langweilig sind. Mit diesem Buch hat er dazu beigetragen, diesen Mißstand zu verringern.
Bryson liefert eine geballte Ladung an wissenschaftlichen Fakten ab, gekreuzt mit Anekdoten aus der Welt der Forschung und etlichen liebenswerten oder kuriosen Eigenheiten so manchen Tüftlers, dem wir unsere heutigen Erkentnisse verdanken.
Zum Teil mußte ich trotz des “profanen” und amüsanten Schreibstils eine Zeile mehrmals lesen, bis ich sie verstanden hatte (aber das kann auch an der überwiegend sehr fortgeschrittenen Tageszeit liegen, zu der ich das Buch aufschlage), doch größtenteils liest es sich sehr spannend und man wartet dauernd darauf, was man als Nächstes erfahren darf.
Auf der einen Seite ist das Amüsantes wie zum Beispiel, daß Vermutungen zufolge jeder Mensch bis zu 1.000.000 Atome von Shakespeare oder dem Dschingis Khan in sich hat, oder daß wir nur noch ein Zehntel unserer Größe betragen würden, entfernte man alle Bakterien aus unserem Körper.
Andererseits aber auch eher beunruhigende Dinge wie die Feststellung, daß wir an der Kippe zu einem gewaltigen Klimaumschwung leben, nur daß niemand weiß, ob es eine Eiszeit oder eine Hitzperiode werden wird. Oder der Fakt, daß der Yellowstone Nationalpark, oder besser gesagt das, was darunter vor sich hin brodelt, jederzeit von heute auf morgen eine Naturkatastrophe globalen Ausmaßes hervorrufen könnte, die ein Aussterben ähnlich wie das der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren zur Folge hätte. Gleiches wäre der Fall bei einem Kometeneinschlag, den wir aber erst eine Sekunde bemerken würden, bevor er auf die Erde träfe.
Dieses Buch hat mich wie selten ein anderes zuvor (wenn überhaupt eins) erkennen lassen, wie klein wir eigentlich sind. Was ist schon eine Zeitspanne von ein paar Tausend Jahren, in dem sich eigentlich alles abgespielt hat, was wir heute in unserer limitierten Denkweise als wichtig erachten, wenn man einmal darüber nachdenkt, wieviele Milliarden von Jahren es gebraucht hat, bis alles, was wir kennen, entstanden ist?
Wie kommt es, daß wir uns als die Krone der Schöpfung betrachten, wenn wir noch nicht einmal wissen, wie wir eigentlich entstanden sind oder wie groß das Weltall ist?
Und warum versuchen wir uns angesichts solcher Tatsachen immer noch, uns gegenseitig das Leben schwer zu machen oder gar einander auszulöschen?
Das Weiterdenken bleibt natürlich dem Leser überlassen. Diese Lektüre dient jedenfalls bestens dazu, einiges über uns zu erfahren und die Welt in einem größeren Kontext zu sehen.
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Frank Hamm schrieb am 12.02.2006 um 08:23 Uhr: