Ayn Rand – Atlas Shrugged
Wenn man diesen Schinken zum ersten Mal in der Hand hält, ahnt man schon, daß es kein Spaziergang wird: In ihrem fast 1200 Seiten fassendes Opus Magnum stellt Ayn Rand gewissermaßen die Antithese zu Karl Marx’ “Das Kapital” auf.
Anders als die trockenen Theorien des Altphilosophen ist diese Idee jedoch in eine Handlung verpackt:
Das Szenario entwickelt sich um Dagny Taggart, die Geschäftsführerin eines großen Eisenbahnunternehmens, und einen Kreis von Führungspersönlichkeiten, die die Leistungselite des Landes verkörpern. Diese haben zunächst mit Widrigkeiten zu kämpfen, die aus dem Leben jedes Unternehmers gegriffen sein könnten: Korrupte Manager und Politiker, denen dekadente Partys wichtiger sind als alles andere, scheintote Gesellschaftsmitglieder und verständnislose Angehörige.
Im Verlauf spitzt sich die Geschichte jedoch immer mehr zu einem übertriebenen, grotesken Abbild der Sozialgesellschaft zu, in dem alle gleich sein sollen, unabhängig davon, wie viel sie leisten. Die Welt teilt sich auf in die Hochleistenden, die sich schuldig fühlen sollen, weil sie mehr erbringen als andere, und die lethargischen Nutznießer, die Gleichberechtigung und Nächstenliebe als Vorwand benutzen, um sich zu nehmen, was ihnen nicht gehört.
Dieses Vorgehen funktioniert scheinbar, bis die Hochleistenden einer nach dem anderen von der Erde verschwinden. Die Gesellschaft wird immer mehr beherrscht von den handlungsunfähigen Schmarotzern und geht nach und nach vor die Hunde.
Auch wenn die Charaktere recht eindimensional gezeichnet sind, ist dieses Buch eine absolut brilliante soziologische Studie, die ein anderes, aber durchaus realistisches Weltbild aufwirft. Die Präzision, mit der Ayn Rand ihre Sätze formuliert und mitunter feinste Gefühlsnuancen ihrer Protagonisten beschreibt, sucht ihresgleichen und macht die Lektüre zu einem Genuß für Liebhaber des geschriebenen Wortes.
Dieses Buch betrachtet die Gesellschaft aus einem ungewohnten Blickwinkel und gehört nicht umsonst zu den einflußreichsten Büchern in den USA. Keine leichte Kost, aber sollte definitiv auch bei uns zur Pflichtlektüre zählen.
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