Sind wir Designer oder Entwickler?

Roger Johansson macht sich in einem kürzlich erschienenen Artikel Gedanken über die passendste Bezeichnung für seine Tätigkeit und fragt in die Runde, welche Jobbezeichungen sich Webschaffende heute selbst am liebsten verleihen. Hier findet ihr eine deutsche Übersetzung des Artikels:

Auf der “Über mich”-Page dieser Website habe ich mich immer “Entwickler/Designer/Gelegenheitsautor” genannt. Das ist ein bißchen verwirrend, und ich finde es immer noch schwierig zu wissen, was ich antworten soll, wenn mich jemand fragt mit was ich mein Geld verdiene. Bin ich ein Webdesigner? Ein Webentwickler? Ein Webprogrammierer? Alles zugleich? Nichts davon? Es ist wirklich eine schwierige Frage, um eine einfache Antwort darauf zu geben.

Meine Antwort hängt davon ab, wer fragt, wann, warum und unter welchen Umständen. Manchmal sage ich “ich arbeite mit dem Web” oder “Ich baue Webseiten”; beides ist richtig aber beschreibt nicht wirklich was ich tue. Es wäre einfacher, eine kurze, schlichte und halbwegs präzise Antwort geben zu können.

Auf gewisse Art und Weise bin ich durchaus ein Designer, obwohl ich momentan wenig bis gar kein Grafikdesign mache. Viele machen den Fehler zu denken, daß Design dasselbe ist wie Grafikdesign, aber Design dreht sich auch darum, Dinge zum Laufen zu bringen. Und weil ich genau das tue, sollte ich mich vielleicht Webdesigner nennen.

Aber ich tue es nicht. “Webdesigner” ist für mich eine Tätigkeitsbezeichnung, die stark negativ durch meine Erfahrungen mit der Dotcom-Blase geprägt ist. Sie erinnert mich an die Massen von ungelernten Leuten, die angestellt wurden, nur weil die großen Agenturen mehr Angestellte brauchten. Es läßt mich auch an die Hobbyisten denken, die den WYSIWYG(What you see is what you get)-Modus einer gecrackten Dreamweaver- oder GoLive- Kopie benutzten, um Seiten zu bauen. Daher finde ich es sehr schwierig, mich einen Web Designer zu nennen.

Als eine Alternative habe ich eine zeitlang “Web Developer” benutzt. Das Problem hiermit ist, daß die meisten Leute annehmen, daß ein Webentwickler vor allem Backend-Programmierung macht, was ich nicht wirklich viel mache. Aber es klingt immerhin professioneller als Webdesigner.

Welche anderen Möglichkeiten haben wir? Nun ja, es gibt Titel wie User Interface Programmierer, Front End Entwickler, User Experience Architekt (argh, ich bin allergisch auf den Ausdruck “User Experience”!), und weitere. Es gibt viele Titel, aber wenige, die wirklich beschreiben, was ich mache, sodaß es auch für jemanden, der nicht in der Webindustrie arbeitet, verständlich ist.

Ist dies tatsächlich ein Problem? Die meiste Zeit nicht. Aber es ist ein bißchen dümmlich, dem Friseur oder Nachbarn nicht sagen zu können, mit was man seine Brötchen verdient, sodaß derjenige es auch versteht. “Ich arbeite mit dem Internet” oder “Ich mache Webseiten” scheint irgendwie zu funktionieren, aber das sagt nichts darüber aus, ob ich Grafikdesign, Programmierung, oder beides mache.

Und deshalb möchte ich gerne denjenigen, die das hier lesen und die nicht wirklich Grafikdesign machen, sondern hauptsächlich mit HTML, CSS, JavaScript und Barrierefreiheit arbeiten, folgende zwei Fragen stellen:

  1. Betrachtet ihr euch als Designer oder Entwickler?
  2. Nennt ihr euch Designer oder Entwickler?

Wenn ihr Lust habt, schreibt gerne mit Begründung.

Der Begriff Webdesigner scheint auch im englischen Sprachraum in Ungnade gefallen zu sein, was ich sehr schade finde. Denn eigentlich beinhaltet diese Bezeichnung doch noch das meiste von dem, was viele Webschaffende tun: Grafik und Technik miteinander zu vereinbaren, ein bißchen Informationsarchitektur, ein bißchen Programmierung und dafür zu sorgen, daß die Dinge funktionieren, und zwar unabhängig von Browser und Plattform.

BTW: Wer weiß, wie man einen Block von mehreren Absätzen mittels Textile-Notation in ein Blockquote packt? Ich weiß es leider nicht und muß mir daher vorläufig mit Strichellinien behelfen…

16.08.2007 ✭ Schlagwörter: 14 Kommentare

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14 nette Menschen haben einen Kommentar hinterlassen:

  1. Alex schrieb am 20.08.2007 um 17:32 Uhr:

    Das mit dem Blockquote geht relativ einfach:

    < blockquote>
    Leerzeile
    Text
    Leerzeile
    < /blockquote>

  2. Birgit schrieb am 20.08.2007 um 20:35 Uhr:

    @ Alex:
    danke für den Tip, aber leider funktioniert es so nicht. Habe alle erdenklichen Tag-Leerzeilen-Kombinationen durchprobiert, aber es wurstelt mir immer die Absätze/Zeilenumbrüche durcheinander. Dann muß dieses Problem wohl warten bis zum nächsten größeren Roundup.

    @ Feed-Abonnenten:
    bitte entschuldigt die häufigen Aktualisierungen! ;)

  3. Roob schrieb am 21.08.2007 um 09:37 Uhr:

    für mich taugt der begriff “web developer” immer noch am besten :)

  4. Moritz schrieb am 21.08.2007 um 11:08 Uhr:

    Was ist daran so schwer?
    Ich entwickle und gestalte das Internet (Webseiten).

    Viele Grüße ;)

  5. _michael schrieb am 21.08.2007 um 13:15 Uhr:

    ich kenne keine Lösung dies mit Textile gescheit zu Lösen..

    Ich bezeichne mich als Pixelschubser…

  6. Alex schrieb am 22.08.2007 um 22:02 Uhr:

    Vor den beiden Blockquotes muss ein Leerzeichen stehen, sonst geht es nicht… Dann werden die HTML Tags nicht per textile umgewandelt. Also

    leerzeichen < blockquote>umbruch
    leerzeile
    text
    leerzeile
    leerzeichen < /blockquote>

  7. Birgit schrieb am 23.08.2007 um 19:41 Uhr:

    @Alex:
    Spitze, das funktioniert! Vielen Dank!

    @ _michael:
    hm, Pixelschubser… das kann man aber auch nicht zu jedem sagen ;)

  8. _michael schrieb am 24.08.2007 um 01:40 Uhr:

    zu Menschen die ein Problem mit ihrem Ego haben sagt man eh lieber nichts :-))

    und danke Alex – wieder was gelernt :-)

  9. Webdesign Berlin schrieb am 27.08.2007 um 15:09 Uhr:

    Also wenn du wirklich alles zusammen machst, bist du ein Webentwickler und wenn du (so wie ich) zum Beispiel nur Webseiten gestaltest und quasi erstellst (ohne Programmierung in PHP) bist du ein Webdesigner! ;)

  10. Thomas schrieb am 27.08.2007 um 17:41 Uhr:

    Ich nenne mich WebWorker, da ich im Web und für das Web arbeite

  11. Birgit schrieb am 28.08.2007 um 13:19 Uhr:

    @Thomas
    ja, Web Worker klingt auch nicht schlecht.

    @ “Webdesign Berlin”
    danke für deinen Kommentar. Die Diskussion hier sollte aber nicht als Plattform für Suchmaschinenoptimierung mißverstanden werden, deshalb habe ich den Link auf deine Seite gelöscht. Nächstes Mal bitte unter richtigem Namen kommentieren. Danke!

  12. Gabi schrieb am 28.08.2007 um 23:21 Uhr:

    Eine interessante Frage, die mich ebenfalls beschäftigt. Aus den von dir genannten Gründen möchte ich mich auch nicht “Webdesignerin” nennen, ich habe ja die dotcom-Blase auch sehr bewußt miterlebt. “Webworker” gefällt mir wesentlich besser, aber darunter verstehe ich eher einen Techniker, der sich auch mit Scriptsprachen, Datenbanken, Protokollen und ein bißchen Netzwerktechnik auskennt.

    Ich kann aber nur ein kleines bißchen von allem, lediglich (X)HTML und css, das sind meine Steckenpferde, und Grafik – bzw. Bildbearbeitung beherrsche ich ein wenig. Ja, und WordPress kann ich gut – bin ich vielleicht eine WordPresserin? Oder doch eher eine cs-esserin? (Nein, eher eine gute Sonntagsbraten-Esserin, sieht man ja auch :-D )

    Ich fange langsam an, mich mit dem Begriff “Webseitengestalterin” anzufreunden.

  13. stephans netzgeflyster schrieb am 29.11.2007 um 23:08 Uhr:

    manueller Trackback:

    blockquote in Textile richtig benutzen

    “Aus gegebenem Anlaß folgender Hinweis für alle interessierten Textile-Nutzer:

    Ich hatte immer das Problem, daß Textile mir immer Zitatblöcke mit mehreren Absätzen (x)html-mäßig zerhauen hat: …”

  14. Robert schrieb am 20.03.2011 um 17:57 Uhr:

    Hallo Birgit! Ich gestehe, weder mein schmächtiges Interesse an Fotografie, noch meine Liebe zu Pferd und/oder Natur, sondern trivialer Zufall führten mich auf diese Seite – deren “Betreten” übrigens ein wohliges Gefühl der Ehrfurcht in mir entfacht, stecken meine eigenen Bemühungen in Sachen Komposition von HTML, CSS und JS hier im Vergleich doch eher noch in den Kinderschuhen. *embarressed* Damit bin ich auch “schon” *g* beim Thema der, ich formuliere es einmal als, “Identitätsfindung unseresglelichen”. Mein Vorschlag also lautet “Interaktionsdesigner” und muss aus meiner Sicht nicht weiter ausgeführt werden ^^ Weiter so, denn Du hast das richtige Gespür für die Materie! Liebe Grüße aus der Hauptstadt, Robert.

Hallo, ich heiße Birgit Zimmermann und blogge hier über Webdesign und Webentwicklung, aber auch über persönliche Dinge. mehr Info…

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