Die sieben Todsünden des selbsternannten Webdesign-Profis

Webdesigner gibt es wie Sand am Meer. Jeder behauptet natürlich, der beste zu sein. Nicht die Hälfte davon hat wirklich Ahnung vom Metier.

Leider gehen auch heute noch viel zu viele Websites online, die nicht den aktuellen Qualitätsstandards entsprechen. Oft haben die Macher ihr Handwerk vor Jahren einmal erlernt und denken, daß sie nun alles können. Da die Internettechnologie sich aber sehr schnell entwickelt und in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat (man bedenke nur, daß dieser Markt vor nur einem Jahrzehnt noch in den Kinderschuhen steckte!), ist es wichtig, ständig up-to-date zu bleiben, wenn man mit einer professionellen Website brillieren will.

Anhand einiger sicherer Kriterien kann man die Spreu vom Weizen trennen. Daher hier eine Sammlung der sieben wichtigsten:

Keywords, die über zwanzig Zeilen gehen

Ein Blick in den Quellcode fördert es zutage:
Da steht ein ganzer Rattenschwanz an Keywords, sorgfältig aufgelistet, im Kopfbereich der Datei. Was zunächst wie findige Suchmaschinenoptimierung aussieht, ist in Wirklichkeit nur eine überholte Methode, das Dokument suchmaschinentauglich zu machen.

Denn der moderne Suchrobot geht anders vor:

Er scannt das Dokument von oben bis unten ein und beschließt anhand komplexer Algorithmen selbst, welcher Inhalt wichtig ist. Darunter fallen z.B. Texte, die als Überschriften ausgezeichnet sind. Außerdem werten die Suchspider oftmals Dinge, die am Anfang des Dokuments stehen, als wichtiger. Die Meta-Tags im -Bereich werden hierfür nicht berücksichtigt und sind dann eher hinderlich, da sie den Quelltext unnötig aufblähen und dadurch das Wichtige, nämlich der eigentliche Inhalt, zu weit nach unten gerückt wird.

Versteckte Seitenelemente für Suchmaschinen

Auch hier entlarvt wieder ein Blick in den Quelltext.

Ein DIV-Element, meistens im unteren Bereich des Dokuments, enthält alle noch so wichtigen oder unwichtigen Suchbegriffe für die Seite. Oft ist das beispielsweise eine Auflistung aller Ortschaften der näheren Umgebung, wovon sich die Websiteersteller eine größere Erreichbarkeit der Seite versprechen. Mittels einer einfachen CSS-Angabe wird dieser ganze Wust dann einfach für den Normalsurfer ausgeblendet, bleibt für Suchmaschinen jedoch sichtbar.

Doch diese Praxis kann böse Folgen haben:
Wenn Suchmaschinen wie Google diesen Schwindel aufdecken, wird die Seite kurzerhand aus dem Index genommen, das heißt sie taucht dann gar nicht mehr in den Suchergebnissen auf. So geschehen erst kürzlich mit der Internetpräsenz eines namhaften bayrischen Automobilherstellers.

Flash-Website ohne Sinn und Zweck

Immer wieder gern genutzt, um nichtsahnende Kunden hinters Licht zu führen. Jaaa, wir designen mit Flash, der Technologie der Profis!

Auf der Startseite zischt das Logo fetzig animiert in den Sichtbereich, und hier und da wackelt, blinkt oder vibriert etwas. Und der Text scrollt nur dann, wenn man mit der Maus einen Salto rückwärts ausführt.

Das beeindruckt zwar den in Internet-Dingen nicht so bewanderten Kunden, jedoch muß der ja auch nicht erfahren, daß die Usability dabei meistens komplett auf der Strecke bleibt.

Denn natürlich hat man sich gar nicht erst die Mühe gemacht, die Website für möglichst alle Benutzergruppen zugänglich zu machen: Sehbehinderte, motorisch Eingeschränkte, Benutzer von Textbrowsern, PDA-Nutzer usw. müssen leider draußen bleiben. Dies gilt im übrigen auch für Suchmaschinenrobots.

Klassiker: “Diese Seite wurde mit Frames realisiert. Ihr Browser kann aber keine Frames darstellen.”

Wie waren wir alle glücklich, als man Webseiten endlich mit Frames unterteilen konnte. Nur leider ist das schon viele Jahre her und die Webentwicklung hatte gerade erst das Laufen gelernt. Heute gibt es wesentlich effizientere und sinnvollere Techniken, um ein Layout umzusetzen.

Semantisch inkorrekter Quelltext

CSS ist zwar in jedem Fall einer HTML-Formatierung vorzuziehen, jedoch macht es nicht viel Sinn, Überschriften mit Styles wie

auszuzeichnen. Denn dafür sind die Überschriften-Tags gedacht.

Verletzte Impressumspflicht

Wozu denn ein Impressum? Das ist doch was für Langweiler! Schließlich haben wir auf der x-ten Unterseite ein flashiges Kontaktformular (siehe weiter oben unter “Flash-Website”)!

Ob die wohl wissen, daß diese Nachlässigkeit mit bis zu 50000 Euro Bußgeld geahndet werden kann?

…und zu guter Letzt:

Absurde Werbeversprechen

“Bei uns bekommen Sie in drei Tagen eine Website, alles inklusive für nur 500 Euro!”

Wer auf solche Versprechen hereinfällt, der bekommt entweder eine 08/15-Lösung wie zig andere Kunden zuvor auch, oder hat nachher den Ärger mit einem schlecht aufgesetzten System, das mehr Arbeit als Nutzen bringt.

“Wir bringen Sie bei Google auf Platz eins!”

Finger weg von Dienstleistern, die die Top-Position egal für welchen Begriff versprechen. Auch der beste Suchmaschinenprofi kann nur dafür sorgen, daß die Seite die Voraussetzungen für ein gutes Listing bestens erfüllt und _weit vorn_ gelistet wird. Wer aber letztendlich auf Platz eins erscheint, das entscheiden die komplexen Rankingalgorithmen der jeweiligen Suchmaschine.

26.08.2006 ✭ Schlagwörter: , 3 Kommentare

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3 nette Menschen haben einen Kommentar hinterlassen:

  1. Heiko schrieb am 29.08.2006 um 11:40 Uhr:

    Ich glaub’ ich würde da auf mehr als 7 Todsünden kommen ;O) Genau diesen Problemen sieht man sich seit Ende der 90er ausgesetzt, da jeder Frontpage oder Dreamweaver bedienen konnte sich als Webdesigner fühlte. Wer sich als Kunde darauf einlässt, braucht sich über das Ergebnis nicht wundern, aber woher soll ein mittelständisches Unternehmen es auch besser wissen. Vielleicht sollte man wie beim Arzt, auch hier immer eine zweite ( professionelle Meinung ) einholen. Überall wird versucht zu sparen udn dreifach gechceckt, aber in diesem Bereich wird oft auf Grund von Lowbudgetangeboten ( wie von Dir erwähnt ) sich für das preiswerte Angebot entschieden.

    Usability? Accessibility? Webstandards? Für viele selbsternannte Webdesigner wohl immer noch Fremdworte ( vor allem im inhaltlichen Sinne gesehen ).

  2. Birgit schrieb am 31.08.2006 um 00:32 Uhr:

    Na klar, die Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen. Aber das sind so die Punkte, die mir spontan einfallen, weil sie mir leider immer wieder begegnen.

    Hm, das mit dem Sparen…
    Es gibt ja durchaus Leute, die auch für schlechte Seiten richtig Geld kassieren. Man muß dem Kunden nur einen erzählen können!
    Das sind dann besonders oft Dienstleister, die unter den oben beschriebenen Punkt mit dem Flash fallen.

    Aber ich bin zuversichtlich, daß sich da in den nächsten Jahren noch gehörig was tun wird. Die Internetwerbung gibt es ja noch nicht so lange. Und es sind eben immer noch einige aus der “Anfangszeit” übrig, die mit der Technik von damals arbeiten. Aber ich habe das Gefühl, die sterben allmählich aus. Viele nachkommende, junge Webdesign-Profis haben die “Prä-Webstandards”-Zeit schon gar nicht mehr mitbekommen.

  3. Daniel Weinand schrieb am 5.09.2006 um 17:47 Uhr:

    Ich stimme voll und ganz zu. Es gibt eine Flut von Webdesign “Profis” heutzutage und jeder behauptet von sich der beste zu sein, aber die Realitaet sieht anders aus: Da fallen mir gerade mal ein paar wenige Dutzend gute Designer ein. Das Hauptproblem seh ich besonders in was Du “Absurde Werbeversprechen” genannt hast. Jemand der sich unter Preis verkauft (und mag er noch so schlechte Seiten erstellen) macht den Markt kaputt. Das Problem ist naemlich auch, dass viele Kunden auf 08/15 Templates reinfallen und am Ende durchaus zufrieden sind mit dem Ergebnis (wenn sie nur wuessten…)

    Sorry @keine Umlaute ;)

Hallo, ich heiße Birgit Zimmermann und blogge hier über Webdesign und Webentwicklung, aber auch über persönliche Dinge. mehr Info…

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