Die biologisch abbaubare Website?

Dem Webdev-Genie und Guru Shaun Inman ist mal wieder eine Idee gekommen:

Er kompostiert fortan die Posts auf seiner Website.

Mit The Heap hat Inman, wie die meisten Kommentatoren auf der Seite wissen wollen, eine Revolution eingeleitet.

Das Konzept beruht darauf, daß ein Artikel, je älter er wird, an Relevanz verliert, und deswegen allmählich ausblassen kann. Visuell umgesetzt bedeutet das, daß der Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund nach und nach geringer wird, bis er nach einer gewissen Zeit (91 Jahre) vollständig verschwindet. Realisiert wird das Ganze mit 33306 CSS-Files – eine für jeden Tag.

Zweifelsohne eine lustige und originelle Idee, zu der man sich trotzdem ein paar kritische Gedanken machen kann:

  • Usability: Ab wann wird der Kontrast tatsächlich zu gering zum Lesen?
  • Zeitrahmen (Scope): ok, in 91 Jahren wird sowieso alles anders sein und spätestens in zwei Jahren gibt’s wieder was Neues, daher funktioniert dieses Konzept eh nur in der Theorie. Aber abgesehen davon wäre es doch schade, wenn unser archiviertes Wissen, unsere Ideen und Gedanken irgendwann von selbst verschwinden, oder? Dieses Problem ist sowieso schon gegeben, denn was von den digitalen Daten von heute wird in ein paar Jahrzehnten noch verfügbar sein? Dieses Verlorengehen muß man nicht noch zusätzlich forcieren. Der Erhalt meiner digitalen Fotos und sonstigen Daten über die Zeit macht mir schon genug Sorgen.
  • Physikalischer Nutzen: das Ganze basiert bisher nur auf einer visuellen Umsetzung. Der Speicherplatz bleibt trotzdem belegt, und wird auch mit der Zeit nicht weniger. Und wer möchte schon gerne sein CMS mit Inhalten belasten, die nicht mehr lesbar sind?
  • Standardisierung: Das Konzept mag seitenweit funktionieren, aber was ist mit der Kompatibilität zu anderen Seiten?

Fazit: Eine nette Spielerei und ein originelles Denkkonstrukt, von dem vielleicht sogar einige neue Impulse für zukünftige Datenverarbeitungsalgorithmen ausgehen können, aber ich bezweifle den Nutzen in der Realität, mit der Technik von heute.

20.10.2006 ✭ Schlagwörter: 7 Kommentare

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7 nette Menschen haben einen Kommentar hinterlassen:

  1. Steffen schrieb am 21.10.2006 um 15:53 Uhr:

    Die Idee ist nicht schlecht und der Titel erst recht.
    Doch über den Nutzen kann man streiten, vor allem, da niemand weiß ,was in 91 Jahren sein wird…

  2. Stefan schrieb am 21.10.2006 um 20:36 Uhr:

    Man liest ja überall nur Jubel und Trara über sein neues Projekt – aber ehrlich mal – das ist Schrott, selbst wenn Shaun es macht… Schon jetzt ist es vom Kontrast her kaum zu erkennen, die Verhältnisse von Headlines zu z.B. Kommentaren sind derart groß, dass man ständig die Schrift verändern muss, um überhaupt etwas zu erkennen.
    Das ganze eignet sich allenfalls als wissenschaftliches Projekt, auf lange Dauer wird er aber einen Großteil seiner Leser (an den RSS Reader) verlieren, denke ich.

  3. Birgit schrieb am 21.10.2006 um 23:39 Uhr:

    Hm, also ich finde es allemal interessant. Die visuelle Umsetzung ist z.T. schon etwas…gewöhnungsbedürftig. Aber vielleicht auch nur deshalb, damit es jeder mitkriegt, warum er sein Design so verändert hat. Ich denke, daß es eine Art fixe Idee war, die halt ausprobiert werden mußte. Aber ich denke auch, daß es nichts ist, was sich durchsetzen wird…ist eben nix für die Ewigkeit, im doppelten Wortsinn :D

  4. Faustball-Hugl schrieb am 26.10.2006 um 19:56 Uhr:

    “Realisiert wird das Ganze mit 33306 CSS-Files – eine für jeden Tag.”

    … das glaube ich kaum.
    Viel eher wird es ein Stylesheet sein, das mit PHP (und ModRewrite) dynamisch generiert wird.

  5. Birgit schrieb am 26.10.2006 um 22:49 Uhr:

    @Hugl
    wie er es serverseitig realisiert hat, weiß ich natürlich nicht, aber er redet jedenfalls hier von “Thirty-three thousand, three hundred and six 1 KB CSS files” und das habe ich einfach wörtlich übersetzt.

  6. Daniel schrieb am 20.11.2006 um 02:37 Uhr:

    Zu deinem Sat, es wäre schade, wenn unser Wissen irgendwann verschwindet kann ich nur soviel sagen, als dass ca. 95% des Web reinster Müll sind und mit wahrem Wissen nichts zu tun haben… ;-)

  7. Birgit schrieb am 23.11.2006 um 22:57 Uhr:

    @Daniel
    hehe :)
    naja, das kommt drauf an was du alles einbeziehst. An mir z.B. (und sicherlich auch am Rest der Leute, die sich über Webdesign wirklich Gedanken machen) geht ein Großteil der existierenden Webseiten einfach unbeachtet vorüber, daher können die gar nicht in irgendwelche Statistiken fließen ;)

Hallo, ich heiße Birgit Zimmermann und blogge hier über Webdesign und Webentwicklung, aber auch über persönliche Dinge. mehr Info…

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